Vlogs aus Tokio und Shenzhen

Ich schaue immer noch sehr gerne Vlogs auf YouTube. Schnell sind Vloggerinnen aus China und Japan dazugekommen. Es ist schrecklich voyeristisch, aber auch so cozy und entspannt und interessant, wie der Alltag an anderen Orten auf der Welt aussieht. Ich finde es unglaublich angenehm, dass diese Vlogs zwar sehr ästhetisiert sind, aber nicht overpolished. Ihre Zimmer und ihre Outfits sind cute und man erkennt einen eigenen Stil, aber nicht unbedingt mehr, als in den Zimmern meiner Freund*innen. Man sieht schon Wohlstandsunterschiede je nach Land, aber für das jeweilige Land scheinen die Vloggerinnen recht wenig Geld zu haben und erwähnen das auch oft. Das bedeutet in Japan und China aber schon ein wenig mehr Platz, Privatsphäre und Komfort als in Vietnam, scheint mir. Tuma aus Japan hat sich von ihrem Mann scheiden lassen, ihre Stelle als salaryman (das nennt und übersetzt man wohl auch bei Frauen so) in Tokio aufgegeben, um aufs Land zu ziehen, immerhin mit guter Bahnverbindung in die Stadt. Dort arbeitet sie als Freelancerin. Sie scheint weniger Geld zu haben als früher, aber mehr Zeit. Leider musste sie noch einen Nebenjob annehmen, um die Steuern bezahlen zu können, die wohl auch in Japan kompliziert und hoch sind, wenn man selbstständig ist. Ihre Wohnung ist sehr zen und minimalistisch eingerichtet, vielleicht aber auch, weil sie nach der Scheidung nicht so viel stuff hat. Sie kocht gerne vegan / vegetarisch, ich weiß nicht, ob aus Geld-, Geschmacks- oder ethischen Gründen. Der Reis, den sie isst, wurde von ihren Eltern angebaut. Ting aus China stammt eigentlich aus der Provinz, aber lebt in Shenzhen. Sie lebt das big city life und sie lebt es sehr gerne. Durch ihren Job hat sie ihr Englisch verbessern können, was sie für ihre Vlogs nutzt. Sie verdient aber weniger als ihre gleichaltrigen Verwandten und das verunsichert sie. Nach der Arbeit gönnt sie sich gerne Snacks und Spaßgetränke, geht gerne auswärts essen. Sie geht immer spät nach der Arbeit einkaufen, weil es da Rabatt gibt. In Shenzhen kann sie sich nur eine sehr kleine Einzimmerwohnung leisten (noch ein bisschen kleiner, als das in Berlin üblich ist), die aber sehr süß und gemütlich eingerichtet ist. Sie kocht gerne und deftig, viel mit Fleisch, daher nicht ganz so inspirierend für mich. Gerade hat sie Besuch aus der Heimat von ihren Teenager-Geschwistern, denen sie die coolste Großstadt-Experience ermöglichen will und für die sie richtig splurged. Shenzhen ist als Tech-Großstadt bekannt, das schaut sie sich gerne an, hält aber nicht mega viel davon. Auch diese Vloggerinnen gehen einkaufen, kochen, berichten von ihrem Alltag, ihren Geldsorgen, Einsamkeit. Es geht auch ums Dinge kaufen, aber vor allem um Lebensmittel, um eine neue Tasse, ein schärferes Messer. Und meistens werden die Dinge lieber im Regal gelassen - und sich dafür gelobt. Ich empfinde das als so einen Kontrast zu üblichem Influencer Content. Niemand will einem etwas verkaufen. Und trotzdem habe ich mich influencen lassen: Tuma trinkt gerne Gerstentee, wie in Japan wohl recht üblich. Schmeckt auch gekühlt sehr gut, daher genau richtig für die Hitzewelle in Japan. Vielleicht auch für die nächste Hitzewelle in Berlin? Ich hätte schon länger gerne einen Tee oder ein anderes Heißgetränk ohne Koffein, das mir schmeckt und ich bin furchtbar krüsch / picky / wählerisch. Heute habe ich im Go Asia Gerstentee gekauft und guess what, der schmeckt mega lecker, heiß und kalt. Ich hatte so Angst ihn zu probieren, aber der schmeckt mir richtig gut! Ich habe übrigens auch Vloggerinnen aus Russland und Korea vorgeschlagen bekommen. Die aus Korea waren mir bisher dann doch zu durchästhetisiert und kitschig. Die Vloggerin aus Russland schien mir eine russische Version von Ballerina Farm (also tradwife). Mir wurde auch ein Vlog aus Berlin vorgeschlagen, da konnte man in der Vorschau aber schon sehen, dass die Person in einer fancy Altbauwohnung im Prenzlberg lebt und richtig viel Kohle hat. No thanks. #YouTube